Alles begann mit einer Schmuckschatulle

Detail einer Schmuckschatulle

Im Jahr 2008 erhielt ich nach vielen Jahrzehnten des Wartens endlich die Gelegenheit, eine freiwillige und ausreichend lange Auszeit in meinem damaligen Beruf als selbstständiger IT-Berater dazu zu nutzen, mir einen schon sehr lange gehegten Traum zu erfüllen.

Ich wollte leidenschaftlich gerne austesten, wozu ich kunsthandwerklich wohl im Stande bin. Meine Wahl fiel deshalb auf die Anfertigung einer sehr aufwändigen Schmuckschatulle im Stil der Renaissance – meiner Lieblingsepoche.

Nach tagelangen Studien der mir verfügbaren Literatur stellte ich fest, dass mir die Arbeiten von Wenzel Jamnitzer aus Nürnberg des späten 16. Jahrhunderts besonders gut gefielen. Er war damals einer der berühmtesten Goldschmiede und belieferte zu Lebzeiten alle deutschen Kaiser. Von seinen Arbeiten wollte ich mir die Inspiration für diverse Details holen.

Es sollte eine Schatulle mit aufklappbarem Deckel, mit Wurzelholzfurnier, mit kleinen Säulen an den Ecken, Löwenfüßen und besonders verzierten Schubladen werden. Aber das Wichtigste: Sie sollte ringsum große und aufwändige Edelsteinfassungen ganz im Stil der Hochrenaissance erhalten.

Zuerst arbeitete ich einen “Kern” der Schatulle ganz aus Holz mit einem verschiebbaren “Geheimfach” heraus, bevor die gesamte Schatulle mit echtem Blattgold vergoldet wurde.

Holzkern der Schmuckschatulle.


Danach erstellte ich Kunstharz-Kopien von korinthischen Säulen, die ich an allen vier Ecken platzierte. Die Fächer für den Schmuck wurden mit rotem Samt ausgeschlagen und der Deckel erhielt ein vergoldetes Monogramm.

Das Wurzelholz bekam noch eine Schellack-Politur und die nagelneue Vergoldung wurde mühsam wieder auf “alt” getrimmt. Die Bergkristall-Druse auf dem Deckel der Schmuckschatulle wurde behutsam 😉 “nachkoloriert” und zusätzlich noch ein kleines Truhen-Schloss mit einem wunderschön geformten Schlüssel eingebaut.

Die kleinen Schubladen verzierte ich mit manieristischem Dekor und Widderkopf-Griffen aus selbst-hergestelltem “Elfenbein”, die dafür abgeformten Ornamente stammten von einer versilberten Tazza aus der Neo-Renaissance nach einem Vorbild von Cellini.

Schmuckschatulle Detail Schubladen


Die Proportionen meiner Schmuckschatulle waren sicher noch nicht das Ende der Fahnenstange und der arme Cellini würde vermutlich spätestens beim Anblick der Baumarkt-Scharniere schreiend davonlaufen, wenn er wüsste was aus seinen Vorarbeiten geworden ist. 😉

Ich jedoch war sehr zufrieden mit meinem “Erstlingswerk” und es sollte den Grundstein für eine leidenschaftliche Lust legen, weiterhin solche Dinge selber herstellen zu können.

Nie jedenfalls werde ich die großen Augen und den wohltuend langen Moment der Sprachlosigkeit vergessen, als die so von mir Beschenkte ihr Geburtstags-Präsent entgegennahm:

Schmuckschatulle Uwe Faust
Schmuckkästchen im Stil der Renaissance